Jahrgang 2026
2026
Jugendsprache der DGS
Peggy Steinbach
Jugendliche entwickeln in Gebärdensprachen – ebenso wie in Lautsprachen – ihre eigenen Ausdrucksmittel. Peggy Steinbach hat (gemeinsam mit Adelina Worseck) mehrere Jahre über Jugendsprache der DGS geforscht.
Für ihren Vortrag in Essen interessierten sich über 120 (!) vor allem jugendliche Gäste.
Peggy erklärte zunächst, wer alles „jugendlich“ ist: Menschen zwischen 12 und 25 Jahren. Sie entwickeln eine eigene Sprache, die vor allem der Identifikationsfindung dient. Sie verglich Jugendsprachen in Lautsprache und Gebärdensprache. Die Ideen kommen aus unterschiedlichen Bereichen, heute aber vor allem aus den sozialen Medien. Mit Videobeispielen erklärte die Referentin die Entwicklung und Bedeutung von Jugendgebärden der DGS und fragte, ob die Veröffentlichung eines Lexikons sinnvoll sei. In jedem Fall kann die Nutzung von Jugendsprachen das Sprachbewusstsein fördern.
Peggys fundierter und engagiert vorgetragener Bericht begeisterte das Publikum. Das zeigte sich auch in der anschließenden lebhaften Diskussion.
Moderation: Katrin Müller
Gebärdensprachdolmetschen: Bastienne Blatz, Sandra Lintz-Naumann
Schriftdolmetschen: Cornelia Krajewski, Mario Kaul
Fotos: Royse Garcia
Entschädigung und Wiedergutmachung für das Leid durch das Gebärdensprachverbot
Christian Ebmeyer (Beauftragter für die Belange der Opfer von Oralismus und Sprachentzug beim GLVHH)
Christian Ebmeyer war bis 2021 erfolgreich tätig für Entschädigungszahlungen an gehörlose Heimkinder. Jetzt setzt er sich für Gehörlose ein, die früher in der Schule psychisches und physisches Leid erfuhren. So hat er maßgeblich dazu beigetragen, dass sich die Hamburger Bürgerschaft im Juli 2025 für das erlittene Unrecht infolge des Gebärdensprachverbots an Hamburger Schulen entschuldigt hat. Dies war auch der Anlass, ihn als Referenten nach Essen einzuladen.
Ca. 100, überwiegend ältere Besucherinnen und Besucher drängten sich in die Mensa des Internates für Hörgeschädigte.
Der Referent beschrieb mit konkreten Beispielen die Diskriminierung gehörloser Menschen in der Vergangenheit bis heute. Eine echte Teilhabe war bis zu Beginn dieses Jahrhunderts nicht möglich. Dies war für ihn der Anlass, mit wissenschaftlicher Unterstützung eine offizielle Entschuldigung des Hamburger Senats zu fordern und nach Möglichkeit auch monatliche Entschädigungszahlungen zu erreichen. Ein Zwischenbericht soll bis zum 30.06.26 veröffentlicht werden. Dies sollte auch in anderen Bundesländern und schließlich auf Bundesebene durchgesetzt werden.
In der Diskussion erfuhren wir noch von einigen teilweise erschütternden Erfahrungsberichten Betroffener. Der Referent betonte, dass ein Projektantrag nötig sei, der die Finanzierung und die wissenschaftliche Aufarbeitung regelt. Grundlage seien die Erfahrungsberichte Betroffener. Der Landesverband der Gehörlosen NRW rief dazu auf, sich dafür im Verband zu engagieren.
Moderation: Martin Magiera
Gebärdensprachdolmetschen: Bastienne Blatz, Sandra Lintz-Naumann
Schriftdolmetschen: Cornelia Krajewski, Mario Kaul
Fotos: Royse Garcia