2026
Narzissmus - Was ist gesund? Was ist problematisch?
Cathrin Jürgensen-Böttcher (psychologische Psychotherapeutin)
Cathrin Jürgensen-Böttcher arbeitet als Therapeutin im Behandlungszentrum für Hörgeschädigte der LWL-Klinik Lengerich und betreibt eine eigene Praxis für ambulante Psychotherapie in Münster.
In ihrem Vortrag erklärte sie zunächst den Begriff „Narzissmus“. Jede/r ist ein bisschen narzisstisch, das ist normal und kann gesund sein. Problematisch aber wird es, wenn Menschen keine Empathie zeigen und andere schlecht behandeln. Das kann eine narzisstische Persönlichkeitsstörung sein. Die Referentin aber warnte vor Fremddiagnosen, nur Therapeuten sollten eine solche Diagnose stellen.
Bei einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein. Oft wird der Politiker Donald Trump mit Narzissmus in Verbindung gebracht. Nach Aussagen mehrerer Wissenschaftler trifft dies zu.
Schwerwiegend sind die Auswirkungen aber auch in Beziehungen. Ein typischer Beziehungsverlauf sind anfangs übertriebene Liebesbekundungen („Love-Bombing“), dann Abwertungen und Kritik, Manipulation und Gesprächsverweigerung. Für die Partnerin ist es oft schwierig, loszulassen. Sie ist vielleicht emotional abhängig und hat die unrealistische Hoffnung, dass sich der Partner verändert.
Gute Beziehungen basieren auf Vertrauen, offener Kommunikation, Respekt und gegenseitiger Unterstützung.
Die Ursachen für Narzissmus liegen oft in der Kindheit: emotionale Vernachlässigung oder Überbehütung spielen eine Rolle. Für eine gesunde Entwicklung sind Umgang mit Enttäuschungen und Akzeptieren der eigenen Grenzen, sowie Liebe und Geborgenheit wichtig.
Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung sind therapiefähig – allerdings sehen sie ihr Verhalten oft nicht als problematisch an. Eine Therapie braucht also viel Geduld und Zeit.
Dies sind nur einige Inhalte des sehr interessanten Vortrags. Wieder hatten wir ein „volles Haus“ mit über 100 Zuschauern, die sich auch lebhaft an der Diskussion beteiligten.
Moderation: Ralf Kirchhoff
Gebärdensprachdolmetschen: Bastienne Blatz, Sandra Lintz-Naumann
Schriftdolmetschen: Cornelia Krajewski, Mario Kaul
Fotos: Royse Garcia
Entschädigung und Wiedergutmachung für das Leid durch das Gebärdensprachverbot
Christian Ebmeyer (Beauftragter für die Belange der Opfer von Oralismus und Sprachentzug beim GLVHH)
Christian Ebmeyer war bis 2021 erfolgreich tätig für Entschädigungszahlungen an gehörlose Heimkinder. Jetzt setzt er sich für Gehörlose ein, die früher in der Schule psychisches und physisches Leid erfuhren. So hat er maßgeblich dazu beigetragen, dass sich die Hamburger Bürgerschaft im Juli 2025 für das erlittene Unrecht infolge des Gebärdensprachverbots an Hamburger Schulen entschuldigt hat. Dies war auch der Anlass, ihn als Referenten nach Essen einzuladen.
Ca. 100, überwiegend ältere Besucherinnen und Besucher drängten sich in die Mensa des Internates für Hörgeschädigte.
Der Referent beschrieb mit konkreten Beispielen die Diskriminierung gehörloser Menschen in der Vergangenheit bis heute. Eine echte Teilhabe war bis zu Beginn dieses Jahrhunderts nicht möglich. Dies war für ihn der Anlass, mit wissenschaftlicher Unterstützung eine offizielle Entschuldigung des Hamburger Senats zu fordern und nach Möglichkeit auch monatliche Entschädigungszahlungen zu erreichen. Ein Zwischenbericht soll bis zum 30.06.26 veröffentlicht werden. Dies sollte auch in anderen Bundesländern und schließlich auf Bundesebene durchgesetzt werden.
In der Diskussion erfuhren wir noch von einigen teilweise erschütternden Erfahrungsberichten Betroffener. Der Referent betonte, dass ein Projektantrag nötig sei, der die Finanzierung und die wissenschaftliche Aufarbeitung regelt. Grundlage seien die Erfahrungsberichte Betroffener. Der Landesverband der Gehörlosen NRW rief dazu auf, sich dafür im Verband zu engagieren.
Moderation: Martin Magiera
Gebärdensprachdolmetschen: Bastienne Blatz, Sandra Lintz-Naumann
Schriftdolmetschen: Cornelia Krajewski, Mario Kaul
Fotos: Royse Garcia