ulbricht
Klangschalentherapie – Entspannung für Hörgeschädigte
Referentin: Petra Rechlin
Kurz vor Beginn der Sommerferien verabschiedete sich das Kofo mit einer ganz besonderen Veranstaltung: Petra Rechlin – Yogalehrerin, Entspannungspädagogin und Klangschalenmasseurin – hatte zu ihrem Vortrag nicht nur viel Wissenswertes über die Entstehungsgeschichte der Klangschalentherapie, ihre Anwendungsgebiete und Wirkungsweise mitgebracht, sondern auch gleich noch eine große Anzahl von Klangschalen, um dem Publikum unmittelbar und anschaulich das Erlebnis einer Klangmassage zu vermitteln. Neugierig und fasziniert näherten sich viele ZuschauerInnen dieser neuen Erfahrung, brachten große und kleine Schalen zum Schwingen und spürten den verschiedenen Klängen und damit einhergehenden Empfindungen nach. Groß war oft die Überraschung, wenn trotz der eigentlich ungünstigen Situation eine entspannende und beruhigende Wirkung festgestellt wurde, vor allem von jenen Zuschauerinnen, die in der Pause und nach dem Vortrag in den Genuss einer „richtigen“ Klangmassage kamen. In dieser Veranstaltung erlebten wir eine gelungene Verknüpfung von theoretischem Vortrag und praktischer Erfahrung – vertiefende Einblicke in die Klangschalentherapie gewinnen Sie durch die Lektüre des hier verlinkten Vortragstextes.
Moderation:
Winny Stenner
Gebärdensprachdolmetschen:
Andrea Knipping, Bastienne Rehe (Skarabee)
Schriftdolmetschen:
Gisela Kaul, Cornelia Krajewski
Fotos:
Ingo Langner
Mediensucht – Machen PC und Handy krank?
Jürgen Lamm (Suchthilfe direkt, Essen)
Computer, Handy, Internet – kaum jemand ist heutzutage noch in der Lage, ohne diese nützlichen kleinen Helfer seinen Alltag zu bewältigen. Sowohl im Beruf als auch im Privatleben sind wir daran gewöhnt, Medien zu nutzen, um zu kommunizieren, Informationen abzurufen und manchmal einfach nur die Zeit zu vertreiben. So praktisch diese neuen Errungenschaften auch sind, so bergen sie doch eine Gefahr, die nur langsam ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückt: Mediensucht ist ein Problem, das vor allem Erwachsene und Jugendliche betrifft und in seinen mittel- bis langfristigen Konsequenzen noch weitgehend unterschätzt wird.
Jürgen Lamm, Mitarbeiter der Suchthilfe direkt Essen, berichtete ebenso anschaulich wie informativ und eindringlich aus seinem täglichen Erleben, schilderte die Situation von Menschen, deren Leben sich nur noch um Chat, Computerspiele, virtuelle Zweitexistenzen und Dauerberieselung durch Radio und Fernsehen dreht. Persönliche Kontakte kommen zunehmend zum Erliegen, man schläft kaum noch, um nur ja nichts in der virtuellen Welt zu verpassen, Schule und Beruf verlieren an Bedeutung.
Die Gefahr sozialer Isolation und der daraus resultierenden Folgen für die körperliche und seelische Gesundheit ist sehr groß, wird jedoch von den Betroffenen nicht wahrgenommen oder geleugnet – ein typisches Verhalten von suchtkranken Menschen. Für potentielle Helfer sehr problematisch ist der Umstand, dass Mediensucht zum heutigen Zeitpunkt noch nicht als Krankheitsbild anerkannt ist, Ärzte und Therapeuten daher keine Behandlung einleiten und diese mit den Krankenkassen abrechnen können. So weit sollten es Eltern und Pädagogen nicht kommen lassen – Kinder brauchen Menschen, die Zeit für sie haben und mit ihnen verbringen wollen, anstatt aus Bequemlichkeit oder Überforderung vor dem Bildschirm “geparkt” zu werden. Denn nur der Kontakt mit echten Menschen kann Kinder und Jugendliche darauf vorbereiten, erwachsen zu werden und Verantwortung für sich und andere zu übernehmen – ein Lernprozess, den kein Computer, kein Fernsehprogramm, kein noch so cooles Handy ersetzen kann.
Moderation:
Ralf Kirchhoff
Gebärdensprachdolmetschen:
Andrea Knipping, Bastienne Rehe (Skarabee)
Schriftdolmetschen:
Gisela Kaul, Cornelia Krajewski
Fotos:
Ingo Langner
Depression
Dr. Ulrike Gotthardt
(Chefärztin LWL-Klinik Lengerich, gehörlos)
Depressionen sind die häufigsten psychischen Erkrankungen. Mögliche Anzeichen zu erkennen ist deshalb auch für Laien sehr wichtig. Frau Dr. Gotthardt referierte sehr lebendig und interessant vor zahlreichen Gästen: Gehörlose, schwerhörige und hörende Besucher – darunter jung und alt – waren zu diesem Kofo-Abend erschienen.
Wer den Vortrag noch einmal nachlesen möchte – hier sind die Präsentationsfolien.
Eine kurze Vorstellung der Referentin und einen Überblick über die Diskussion kann man im Bericht nachlesen.
Moderation:
Winny Stenner
Gebärdensprachdolmetschen:
Andrea Knipping, Magdalena Meisen (Skarabee)
Schriftdolmetschen:
Gisela Kaul, Cornelia Krajewski
Fotos:
Ingo Langner
Jugendgruppen stellen sich vor: Theater und Infos
Landesjugend im Landesverband der Gehörlosen NRW (Martin Woltemate, Matthias Ranner u.a.)
Schlappohren NRW (Benjamin Klahold, Julia Vogel u.a.)
Theatergruppe "Die Essener" (Swantje Marks, Marlene Bayer, Eric Kaulsky, Philipp Wacker)
Druck von Eltern, Schule, Betrieb oder Uni? Langeweile vorm PC?
Es gibt noch was anderes: 2007 haben sich zwei neue Jugendgruppen für hörgeschädigte junge Leute in NRW gegründet – „Die Schlappohren NRW“ und die „LandesJugend“ im Landesverband der Gehörlosen NRW. Auf unserem Kofo berichteten Vorstandsmitglieder über Gründung, Ziele und Angebote. Keine Spur von trockenen Vereinssitzungen – gemeinsam Spaß haben und als Teamplayer etwas auf die Beine stellen – das steht im Vordergrund der Jugendarbeit.
Die Theatergruppe „Die Essener“ erhielt für ihre vier erstklassigen Sketche spontanen Beifall.
Das Kofo war gut besucht – wir hätten uns aber mehr jugendliche Gäste gewünscht.
Wer Fragen hat und sich über die Gruppen und ihre Angebote informieren möchte – hier sind Kontaktadressen und Websites:
Schlappohren – info@schlappohren-nrw.de – www.schlappohren-nrw.de
LandesJugend – nrwjugend@googlemail.com – www.nrw-jugend.de (Website im Aufbau)
Moderation:
Katrin Müller
Gebärdensprachdolmetschen:
Andrea Knipping, Bastienne Rehe (Skarabee)
Schriftdolmetschen:
Gisela Kaul, Cornelia Krajewski
Fotos:
Ingo Langner
Usher-Betroffene in unserer Gesellschaft
Referent: Uwe Zelle (gehörlos)
Uwe Zelle ist als Selbstbetroffener Experte für dieses Thema. Er gab auf diesem Kofo eine sehr gute Einführung in die Situation von Menschen mit Usher-Syndrom. Die Auswirkungen der Behinderung im Berufsalltag, im Familien- und Freundeskreis und in der Gehörlosengemeinschaft waren Schwerpunkte seines Vortrages. Kritisch hinterfragte er das Lormen. Ist es die geeignete Kommunikationsform für Usher-Betroffene? Uwe erklärte, dass für die meisten gebärdensprachlich orientierten Usher-Betroffene das taktile Gebärden die bessere Kommunikationsform ist. Sie sichert auch die Zugehörigkeit zur Gehörlosengemeinschaft. Zum Schluss betonte er aber, dass es dem Betroffenen überlassen bleiben muss, selbst die geeignete Kommunikationsform zu bestimmen. Interessant war auch der Vergleich der Situation vor 20 Jahren und heute. Für Usher-Betroffene hat sich erst mit Verzögerung die soziale und berufliche Situation etwas verbessert. Die Diskussion zeigte auch, dass es an Beratungsmöglichkeiten für Menschen mit Usher-Syndrom fehlt – besonders für jugendliche Betroffene, die ihre zusätzliche Behinderung oft nicht wahrhaben wollen.
Hier eine Kurzvorstellung des Referenten und interessante Links zum Thema.
Moderation:
Helga Ulbricht
Gebärdensprachdolmetschen:
Andrea Knipping, Bastienne Rehe (Skarabee)
Schriftdolmetschen:
Gisela Kaul, Cornelia Krajewski
Fotos:
Heidi Gerstendorf, Helga Ulbricht
Geschichte der türkischen gehörlosen Gastarbeiter in Deutschland
Referent: Ege Karar (gehörlos)
Ege referierte über ein weitgehend unbekanntes und sehr interessantes Thema: Mit welchen Erwartungen sind in den 60er und 70er Jahren gehörlose Gastarbeiter nach Deutschland gekommen? Wie haben sie es überhaupt geschafft, trotz der üblichen Gesundheitsprüfungen eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen? Und was waren ihre Motive, hier in Deutschland zu bleiben? Ege interviewte gehörlose Gastarbeiter der ersten Generation. Einer seiner Interviewpartner war auf dem Kofo anwesend und stand dem Publikum Rede und Antwort.
Hier ist der ausführliche Bericht.
Moderation:
Winny Stenner
Gebärdensprachdolmetschen:
Magdalena Meisen, Bastienne Rehe (Skarabee)
Schriftdolmetschen:
Gisela Kaul, Cornelia Krajewski
Fotos:
Ingo Langner
Was kostet Hören? Können wir uns eine gute Hörgeräteversorgung noch leisten?
Referentin: Renate Welter
(Vizepräsidentin Deutscher Schwerhörigenbund, schwerhörig)
Renate Welter referiert regelmäßig auf dem Essener Kofo. Schwerpunkt ihrer ehrenamtlichen Arbeit ist der unermüdliche politische Einsatz für die Interessen schwerhöriger Bürger – und natürlich auch für gehörlose Hörgeräteträger. So stand auch auf dem heutigen Kofo die politische Arbeit im Mittelpunkt. Renate Welter schilderte die mangelhafte Situation der Hörgeräteversorgung und die Inititiativen des DSB zur Verbesserung. Um eine bessere Argumentationsgrundlage für Gespräche mit Gesundheitsministerium und Krankenkassen zu haben, hat der DSB eine Erhebung zur Hörgeräteversorgung gestartet. Die Referentin erklärte die bisherigen Ergebnisse. Alarmierend dabei: Eine gute Hörgeräteversorgung ist zur sozialen Frage geworden. Durch die hohe Zuzahlung können sich Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, gute Hörgeräte nicht mehr leisten. In der Diskussion und nach der Veranstaltung stand sie mit Tipps bei Problemen mit der Kostenerstattung Rede und Antwort. Gefreut haben wir uns über zahlreiche Besucher, besonders auch vieler Jugendlicher!
Hier ist der Bericht.
Moderation:
Ilse Grinz
Gebärdensprachdolmetschen:
Magdalena Meisen, Karina Orlowski (Skarabee)
Schriftdolmetschen:
Gisela Kaul, Cornelia Krajewski
Fotos:
Frank Brüggemann, Helga Ulbricht
Stigma und Hörschädigung – psychische Folgen und hilfreiche Strategien
Referent: Dr. Oliver Rien (Diplom-Psychologe)
Oliver Rien referierte zum zweiten Mal auf dem Essener Kofo. In diesem Vortrag erklärte er den Zusammenhang zwischen Stigmatisierung und Verstecktaktik bei schwerhörigen und gehörlosen Menschen. Die Stigma-Identitäts-These erklärt, warum es gerade Hörgeschädigten so schwer fällt, mit der Hörschädigung selbstbewusst und offensiv umzugehen – dadurch wird die Stigmatisierung verstärkt. Isolation und psychische Krankheiten können die Folge sein. Hilfreich ist dagegen ein offensiver Umgang mit der Hörschädigung und die kompetente Bewältigung von Kommunikationssituationen. Beides ist ein Beweis für eigene Stärke und kann eine Stigmatisierung verhindern bzw. positiv verändern.
Hier ist der Bericht.
Moderation:
Winny Stenner
Gebärdensprachdolmetschen:
Andrea Knipping, Bastienne Rehe (Skarabee)
Schriftdolmetschen:
Sabine Schlüß, Cornelia Krajewski
Fotos:
Ingo Langner, Heidi Gerstendorf
KlimaKiller Mensch – Was können wir für den Klimaschutz tun?
Referentin: Andrea Fischer
(Dipl.-Geographin, EnergieAgentur NRW)
Der Vortrag war fachkompetent und hatte eine klare Aussage: Der Klimawandel kommt nicht, er hat bereits begonnen. Es geht nur noch darum, ob wir die Folgen eingrenzen und kontrollieren können.
Dazu muss der Temperaturanstieg auf 2° C. beschränkt werden. Energieeinsparung ist das wichtigste Mittel. Die Referentin konzentrierte sich auf die Möglichkeiten, Energie im Haushalt einzusparen.
Leider konnten wir mit diesem „Jahrhundert-Thema“ weniger Zuschauer als sonst anlocken. Lag es am Sommerwetter oder an der Fußball-WM? Dafür wurde die Diskussion um so intensiver geführt.
Wer sich nachträglich noch informieren möchte: Hier auf der Seite der EnergieAgentur NRW kann man wichtige Infos nachlesen:
http://www.energieagentur.nrw.de
Moderation:
Frank Brüggemann
Gebärdensprachdolmetschen:
Andrea Knipping, Magdalena Meisen (Skarabee)
Schriftdolmetschen:
Gisela Kaul, Cornelia Krajewski
Fotos:
Ingo Langner