Vollmond überm Fluss – eine gelungene Premiere

Mit dieser Veranstaltung wagten wir einen Sprung ins kalte Wasser: Zum ersten Mal boten wir in Zusammenarbeit mit dem DSB-Ortsverein Essen eine Autorenlesung für Gehörlose, Hörbehinderte und Hörende an. Wir hatten keine Ahnung, ob sich für eine solch ungewöhnliche Veranstaltung ein Publikum finden würde, wollten aber zumindest den Versuch wagen – denn nur Versuch macht klug!

So fand am 1. Dezember 2005 im Haus der Begegnung ein sicher für alle Beteiligten denkwürdiger Abend statt. Mischa Bach, in Essen lebende Krimi-Autorin und schon seit langem von einer Gebärden-Lesung träumend, trug vor dem rappelvollen Saal im Haus der Begegnung ihre Kurzgeschichten „Vollmond“ und „Rhein in Flammen“ vor – zwei tief unter die Haut gehende Geschichten, die sich um das Thema Kindesmissbrauch und die Folgen drehten.

Begleitet wurde sie von der Schriftdolmetscherin Cornelia Krajewski und den Gebärdensprachdolmetscherinnen der Firma Skarabee, die sich für diesen Auftrag etwas ganz Besonderes hatten einfallen lassen: Sie beschränkten sich nicht auf reines Dolmetschen, sondern verliehen den Figuren der Geschichten durch ihre szenische Darstellung und passende Kostümierung zusätzliche Kontur, so dass auf der Bühne neben der lesenden Autorin fast ein kleines Theaterstück aufgeführt wurde. Eine großartige Umsetzung, die für zukünftige Gebärdenlesungen Maßstäbe gesetzt hat!

Im Anschluss an die jeweiligen Geschichten bestand die Möglichkeit, mit der Autorin zu diskutieren, Fragen zur Story wie auch dem psychologischen Hintergrund zu stellen. Mischa Bach beantwortete die Fragen des Publikums lebendig und kompetent, auch das schwierige Thema „multiple Persönlichkeiten“ konnte sie für Laien verständlich und nachvollziehbar erklären. Und so war der von einem eigens aus Aachen angereisten Gehörlosen geäußerte Wunsch, in Zukunft häufiger solche Lesungen anzubieten, für alle Beteiligten ein großes Kompliment und Ansporn, auch diesen Weg weiterzugehen.

zurück zur Hauptseite